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Hunderte und Aberhunderte von Brieftauben stiegen in den Himmel - Dann wurde das erste Segelflugzeug im Kreis Olpe mit Biggewasser auf den Namen HEGGEN getauftOtto Lilienthal begeisterte die Jungs - 1931 Gründung des Luftfahrtvereins HeggenPaul Brüser besorgte das Heftchen „Wie baue ich mir selbst ein Segelflugzeug“von JOSEF TILKE und GISBERT BALTESOtto Lilienthal muss auch in Heggen Anfang des Jahrhunderts viele Fans gehabt haben. Der Flugpionier, *23. 5. 1848 Anklam, † 10. 8. 1896 Berlin b. Absturz), der 1891 mit einem von ihm gebauten Flugapparat den ersten Gleitflug durchführte, hatte auch die Menschen im Sauerland fasziniert: Frei wie ein Vogel durch die Lüfte zu schweben - das war etwas Sensationelles. Fliegen mit motorlosem Flugzeug unter Ausnutzung atmosphärischer Aufwindquellen: Von dieser Möglichkeit ließen sich auch die jungen Heggener Anfang der 30-iger Jahre schnell begeistern. Dass es funktionieren würde, das wussten sie aus der Rhön. Der Landstrich in Hessen war die eigentliche Geburtsstätte des Segelfluges. Oskar Ursinus rief hier 1920 zum ersten Segelflugwettbewerb auf der Wasserkuppe auf; dort fanden bis 1939 jährlich Wettbewerbe statt. Und in Heggen hatte der unvergessene Paul Brüser im Jahre 1930 ein ganz besonderes Heftchen besorgt. Überschrift: „Wie baue ich mir selbst ein Segelflugzeug“. Das war der Start einer über Jahrzehnte dauernden Luftsporttradition in Heggen, die immer neue Freunde fand. Das, was heute Luftsportclub Attendorn-Finnentrop heißt, geht zurück auf die Heggener Pioniere. Die offizielle Gründung des Luftfahrtvereins Heggen erfolgte 1931. Gründungsmitglieder sind u.a. Josef Wilmes (Schriener), die Brüder Willi, Josef und Franz Sprenger, Dr. Theodor Rademacher, Lehrer Josef Brand, Heinrich Hoffmeister, Paul Brüser, Josef Aufmkolk (Menne) und Martin Sondermann (Fliegermartin). In mühevoller Arbeit hatten sie das erste Segelflugzeug im Rohbau bereits fertig. Glaubten sie. Jedenfalls wurde es Pfingsten 1931 in der Schützenhalle der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Bewunderung war groß, die Freude auch - aber nicht lange: Leider erklärte der amtliche Bauprüfer die Maschine für „nicht flugtüchtig“. Sollten die ganzen Mühen vergebens gewesen sein? Auf keinen Fall. Das sah auch der Amtmann von der Flugsicherheit ein. Er ließ die jungen „Lilienthals“ deshalb nicht hängen und ließ einen arbeitslosen, erfahrenen Flugzeugbauer nach Heggen kommen, der sich hier einquartierte. Unter seiner fachkundigen Leitung wurde mit dem Bau eines „Zög1ings“ begonnen. Der Wille zu fliegen war bei den jungen Heggener nämlich ungebrochen. Doch es fehlte an Geld. Überall spürte man die Weltwirtschaftskrise - auch in Heggen. Umso bemerkenswerter war die Unterstützung der Bevölkerung und auch die von amtlicher Seite. Eine Aktennotiz aus dem Vereinsregister beim Amtsgericht Attendorn macht das deutlich: Mit Rücksicht darauf dass der Verein zur Zeit der Anmeldung erst ein motorloses Flugzeug in Arbeit hatte, das ganz durch eigene Arbeit hergestellt wird, dass sonst nicht das geringste Vermögen vorhanden ist, dass es sich um eine zu unterstützende Angelegenheit gegen Arbeitslosigkeit und damit verbundenen Stumpfsinn handelt, ist der Eintragung ein Wert von 500 RM zu Grunde zu legen. Attendorn, den 12.12.1932 Hesse, Amtsgerichtsrat Und dann war es soweit. Der „Zögling“ sollte fliegen lernen. Die Taufe dieses ersten flugfähigen Segelflugzeuges in Heggen wurde mit einem Flugtag auf dem Franzosenkopf (ein durch französische Kriegsgefangene abgeholzter Bergkegel) verbunden, wie ihn der Kreis Olpe bis dahin noch nicht erlebt hatte. Das Attendorner Volksblatt notierte in seiner Ausgabe vom Donnerstag, 29. September 1932: Einen schlechteren Auftakt für einen Flugtag konnte es wohl nicht geben, wie ihn der Sonnabend bot. Regen und wieder Regen. Kein Mensch glaubte mehr an einen Flugtag am 25. September. Aber die Veranstalter Luftfahrtverein Südsauerland e V. Sitz Attendom und die Segelfliegergruppe Heggen bliesen nicht ab. Ein „regenloser“ Sonntag kam hervor. Das Flugwetter war da. Mittags hatten alle, die kommen wollten, ihre Wetterzweifel aufgegeben. Der Zuschaueranmarsch begann. Zu Tausenden kamen sie. Selbst die kühnsten Erwartungen wurden übertroffen. Hoch vom Franzosenkopf (ein durch französische Kriegsgefangene abgeholzter Bergkegel) hinter der staatlichen Domäne Milstenau, grüßten Flaggen. Die Musikkapelle Heggen schmetterte flotte Märsche in den Herbstestag. Eine Motormaschine „parkte“ bereits unweit der Hollenbocker Straße. Da steigt plötzlich vor den Augen der Zuschauer ein Segelflugzeug auf bleibt einen Augenblick in der Luft stehen, sackt ab und schlägt hart mit der linken Tragfläche auf. Aus war's mit der Taufe des Attendorner Zöglings. Das war eine herbe Enttäuschung für die Attendorner Zuschauer. Mit der Westfalen-Flagge bedeckt, Blumen auf den Tragflächen, in frischem, neuen Kleide stand nun das erste Segelflugzeug der Segelfliegergruppe Heggen da, um die erste Segelflugzeugtaufe im Kreis Olpe zu erhalten. Nach einigen Dankesworten an die Förderer spielte die Musik den Choral“ Großer Gott wir loben Dich“. Der Taufpate Dr. med. Theodor Rademacher nahm das Wort: Hochgeehrte Festversammlung! Als ehemaligem Angehörigen der Lufttruppe des Feldheeres wurde mir die ehrenvolle Aufgabe zuteil, das erste Flugzeug der Heggener Flieger zu taufen. Gern habe ich den Auftrag angenommen, weil ich mich mit Herz und Hand zu den Segelfliegern meiner Heimat bekenne. Mit Stolz darf die Gruppe die Maschine der Öffentlichkeit zeigen, darf mit Genugtuung betonen, dass sie mit zu den Pionieren der Luftfahrt im Sauerland gehört... Und nun zu Dir, schöner großer Vogel. So recht ein Gebild aus Himmelshöhen stehst Du vor Deinen Erbauern. Deine Schwingen zittern dem Luftmeere zu. Hinauf willst Du, Menschen tragen, ergötzen, jugendliches Sehnen und Hoffen stillen. Liebe und Entsagung haben Dich erbaut. Liebe umhegt Dich. Liebe wird Dich in Zukunft steuern. Deine Flieger und Deine Heimat sind stolz auf Dich. Nach deiner Heimat möchte ich Dich nennen. Denn ich wüsste für Dich keinen schöneren Namen als den Deiner und unserer Heimat. So taufe ich Dich mit Biggewasser - und nenne Dich „HEGGEN“. Mache deinem Namen Ehre, Gott behüte Dich. - Sei mutig und stark - Fliege entgegen dem Silberstreifen einer besseren Zukunft. – Vogel flieg - Glück ab.“ Die Westfalen-Flagge gab währenddessen den Namen frei, das Biggewasser wurde über den stolzen Vogel geschüttet. Jubel erklang, Tausende sangen das Deutschlandlied. Hunderte und Aberhunderte von Brieftauben strebten zum Himmel, Symbol und Künder des großen Vogels, der nun auch durch die heimatlichen Lüfte fliegen sollte. Doch zunächst wurden zahlreiche Grußworte verlesen, auch das des Herrn Ministerialdirektors Dr. Dr. h.c. Arnoldi aus Berlin. Besonderes Interesse fand die Verlesung eines Glückwunschschreibens des ehemaligen Frontfliegers W. Meiswinkel aus Hagen-Haspe, der bereits 1908/1909 durch seine Segelflüge von den Maumker Bergen als erster Segelflieger Westdeutschlands den Segelfluggedanken zu verwirklichen suchte. Als alle Grußworte verlesen waren, war die Spannung auf dem alten Franzosenkopf riesengroß. Denn jetzt sollte sich der „Zögling“ zum ersten Mal in die Lüfte heben, mit der Manneskraft am gezogenen Gummiseil - mitten auf der Kuppe des Franzosenkopfes in Richtung Hollenbocker Straße. Und dann kam es endlich, das Kommando „Ausziehen - laufen - los!“ Und siehe da: leicht und sicher hob sich die HEGGEN zum Jungfernflug in die Höhe. Riesiger Beifall kam auf. Und die Brüsers, die Sprengers, kurz: die Heggener Lilienthals - sie waren stolz. Am Steuerknüppel saß der Pilot Großkreuz aus Hagen, unter dessen Leitung die HEGGEN bei „Schrieners“ (wo heute der Saal ist) gebaut worden war. Das Attendorner Volksblatt notierte: „Nach schnittigem Fluge setzte er die Maschine gut auf; belohnt durch lebhaften Beifall der Zuschauer... Nach schnittigem Fluge - damit waren gerade mal 20 oder 30 Sekunden gemeint, in denen die HEGGEN in niedrigster Höhe durch die Lüfte schwebte. Aber sie flog. Und noch oft wurde der Täufling bei diesem ersten Segelflugtag im Kreise Olpe geflogen, u.a. von den Piloten Flueß (Meschede) und Rintze (Olpe). „Unten auf dem idealen Motorfluggelände“ so heißt es in dem Bericht im Attendorner Volksblatt weiter, „setzte mittlerweile der „Wanderfalke“ von der Luftverkehrs-Gesellschaft Münster mit dem „Professor“, gesteuert von dem Inhaber des engl. Dauersegelrekordes, Carli Magersuppe, Freudenberg, im Schlepp, zur Fahrt an. Die Startbahn war vorzüglich. In 500 m Höhe klinkte das Segelflugzeug aus. Was nun folgte, war wohl das Schönste des Tages. Einen solch majestätischen Flug hatte man einer Segelmaschine nicht zugetraut. Und wie es bei einem tüchtigen Segelflieger nicht anders möglich ist: Magersuppe stellte die Maschine auf den Platz, von wo er auch gestartet war. Lebhafter Beifall des Publikums war der Dank für die vorzügliche Leistung. Im weiteren Programm flogen die Hochleistungsmaschinen, besetzt mit Passagieren des schöneren Geschlechts. Auch bei diesen Flügen erregte die Flugkunst Maggersuppes höchste Bewunderung. Zu allseitigem Bedauern konnten die Starts nicht vom „Höchsten“ stattfinden, da Startbahn und Windumschlag ein Abmontieren der bereits aufgestellt gewesenen Maschinen notwendig machten. Die Kunstflüge der Motormaschinen konnten nicht sonderlich befriedigen; lediglich das Ballonrammen brachte etwas Effekt. Der Luftballon-Weitflugwettbewerb vervollständigte das Programm. Wohl an die 150 Ballons wurden auf die Reise geschickt... Mit Musik ging's zur abendlichen Stunde heimwärts. Die „Pilotenbälle“ in Attendorn und Heggen sahen überfüllte Gaststättenräume. Der erste Segelflugtag des Süd-Sauerlandes ist vorbei. 5 bis 6 000 Zuschauer - zahlende, Zaungäste und Berggucker - sahen den ersten Segelflugtag. Möge es das nächste Mal, wo das Doppelte geboten werden soll, eine noch höhere Zahl sein.“
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